Flucht nach Utopia - Filmreihe

Filmreihe zu den 40. Duisburger Akzenten „Utopien“

Flucht nach Utopia - Filmreihe

filmforum - Kommunales Kino & filmhistorische Sammlung der Stadt Duisburg


FILM
Dellplatz 16
47051 Duisburg
www.filmforum.de
Eintritt:

Montag, 18.03. bis Donnerstag, 28.03.

Ein Zutrauen in die Zukunft. Ein mutiger Schritt nach vorne in ein Morgen, für das man eine optimistische Vision hat – eine Alternative zum Heute statt seiner Konsequenz. Die Filmgeschichte hat viele solcher Visionen hervorgebracht: ideale Orte, oft gemalt in schillernden Farben. Die Reihe „Flucht nach Utopia“ zeigt Filme, die sich in Richtung dieser Orte auf die Reise machen. Sie erzählen von ihnen weniger als entfernte und futuristische Fantasien, sondern fahren in ihrem jeweiligen Heute los, um sie zu besuchen: Ihr Widerstand gegen das Jetzt führt die Filme dieser Reihe nicht in eine Traumwelt. Stattdessen machen sie sich auf den Weg. Das Publikum reist für etwa eineinhalb Stunden mit in ein nahes Utopia. Es erlebt Figuren, die aus dem Geist der Rebellion gegen die Gegenwart Alternativen entdecken wollen – oder zumindest versuchen, der Erinnerung an einstige Gegenentwürfe hinterher zu reisen. Die Filme eint, dass sie an historischen Wendepunkten entstanden, an denen die Zukunft umkämpft war und mehrere ihrer Entwürfe denkbar waren. Sie entwerfen neue Gesellschaften für ein bereits grauendes Morgen. Sie fahren diesem Morgen entgegen: per Rad, per Schiff, per Motorrad, per PKW, per interstellarem Ford Galaxy. Was kommen und optimistisch herbeigesehnt wird, ist erkennbar, kann als Chance ergriffen werden. 

UNTER DEN BRÜCKEN von Helmut Käutner wurde im Jahr 1944 im Schrecken der nahenden Fronten des Zweiten Weltkrieges gedreht. Der Film zeigt die Dreiecksbeziehung zweier Schlepperschiffer zu einer melancholischen Frau. Die Drei reisen in Bildern eines zeitlosen poetischen Realismus auf der Spree und in eine ungestörte, private Gemeinschaftlichkeit. EASY RIDER von Dennis Hopper verbindet 1969 die Idee eines individuellen Ausbruchs mit dem benebelten Traum eines freiheitlichen Amerikas. In seinem schonungslosen Spiegelbild einer Generation werden der Wille zur Selbstbestimmung und einer alternativen Gesellschaft genauso deutlich wie sture Vorbehalte gegen langhaarige Biker. 

Während diese beiden Werke nach verstiegenen Orten der individuellen Freiheit und Entfaltung suchen, bereisen die beiden nächsten Filme das Abseits der Klassenunterschiede. In KUHLE WAMPE von Slatan Dudow, Anfang der 1930er unter Mitwirkung Brechts entstanden, werden die Arbeiter aus der Stadt in ein Refugium vor Berlin verfrachtet. Der Knechtschaft des Kapitals und kleinbürgerlicher Attitüden wird das Ideal einer kommunistischen Bewegung entgegengehalten. Die Rhetorik und das Pathos des Klassenkampfes kann Julian Radlmeiers Komödie SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES von 2017 nur noch auf ironisch gebrochenen Metaebenen zitieren. Erzählt wird von einem Regisseur, der auf eine Apfelplantage reist, um für einen kommunistischen Film zu recherchieren. Dabei hat er erwartungsgemäß Schwierigkeiten aus dem Zirkel der Ausbeutung auszubrechen. 

Radlmeiers Satire kann sich nach dem Rausch der Revolution nur sehnen. Andere Filme nähern sich ihm gefährlich an: ZABRISKIE POINT von Michelangelo Antonioni fand 1970 Bilder für eine Vision des Umsturzes. Wie EASY RIDER reist ZABRISKIE POINT durch die kalifornische Wüste, um in ihrer Leere neue Orte zu erschaffen. Doch Antonioni geht es nicht nur um die Freiheit des Einzelnen, sondern um gewaltsamen Umsturz. Zur Not muss die alte Welt explodieren. DIE INNERE SICHERHEIT aus dem Jahr 2000 von Christian Petzold erzählt hingegen von einer Reise immer weiter weg von der Revolution: von Eltern, die einst Terroristen waren und nun gemeinsam mit ihrer Tochter ein Leben auf der Flucht normalisiert haben. Bis diese sich verliebt und bleiben will. 

Jean-Luc Godards ALPHAVILLE von 1965 führt die verschiedenen Versprechen, denen die Figuren in den Erzählungen bisher hinterher reisten – amouröse Innerlichkeit, soziale Emanzipation, revolutionäre Ekstase – zusammen und kombiniert sie zurückhaltend mit dem klassischen Genre der Utopie: Science Fiction. Der Geheimagent Lemmy Caution reist ins zeitgenössische, aber futuristisch anmutende Paris, um die Menschheit von der rationalen Herrschaft eines Computers zu befreien. Eine sich entwickelnde Liebesgeschichte ist der erste Schritt für die Aussicht auf Rettung. 

Filme und Termine:

Montag, 18.3., 20:30 Uhr
EASY RIDER
USA 1969, 95 Min., FSK 16 / Regie: Dennis Hopper / Darsteller: Peter Fonda, Dennis Hopper, Jack Nicholson u.a.
Einführung: Alexander Scholz (Filmredakteur, Kurator der Filmreihe)
Eintritt: 6 Euro 

Dienstag, 19.3., 18 Uhr
KUHLE WAMPE ODER: WEM GEHÖRT DIE WELT? 
Deutschland 1932, 74 Min., FSK keine Angaben / Regie: Slatan Dudow / Darsteller: Ernst Busch, Hertha Thiele, Marta Husemann u.a.
Eintritt: 8 Euro / ermäßigt 6,50 Euro

Mittwoch, 20.3., 18 Uhr
DIE INNERE SICHERHEIT 
Deutschland 2000, 106 Minuten, FSK 12 / Regie: Christian Petzold / Darsteller: Julia Hummer, Barbara Auer, Richy Müller u.a. 
Eintritt: 8 Euro / ermäßigt 6,50 Euro 

Donnerstag, 21.3., 19 Uhr 
UNTER DEN BRÜCKEN 
Deutschland 1944, 99 Min., FSK 12 / Regie: Helmut Käutner / Darsteller: Hannelore Schroth, Carl Raddatz, Gustav Knuth u.a. 
Einführung: Dr. Ernst Schreckenberg (Filmwissenschaftler) 
Eintritt: 8 Euro / 6,50 Euro ermäßigt 

Montag, 25.3., 20:30 Uhr 
SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES 
Deutschland 2016, 104 Min., FSK 0 / Regie: Julian Radlmaier / Darsteller: Julian Radlmaier, Deragh Campbell, Beniamin Forti u.a. 
Eintritt: 6 Euro 

Dienstag, 26.3., 18 Uhr 
ALPHAVILLE
Frankreich 1965, 89 Minuten, FSK 16 / Regie: Jean-Luc Godard / Darsteller: Eddie Constantine, Anna Karina, Akim Tamiroff u.a. 
Einführung: Wolfgang Schwarzer (Deutsch-Französische Gesellschaft) 
Eintritt: 8 Euro / ermäßigt 6,50 Euro 

Donnerstag, 28.3., 20:30 Uhr 
ZABRISKIE POINT 
USA 1970, 107 Min., FSK 16 / Regie: Michelangelo Antonioni / Darsteller: Mark Frechette, Daria Halprin, Rod Taylor u.a. 
Eintritt: 8 Euro / ermäßigt 6,50 Euro 

Vorverkauf in Duisburg über:

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