Grußwort

 

Armin Laschet

Armin Laschet
Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen 

20 Millionen – so unvorstellbar viele Menschen verloren ihr Leben im Ersten Weltkrieg, dessen Ende vor 100 Jahre wir im November 2018 gedenken.
Historiker bezeichnen ihn heute als ersten „totalen Krieg“, weil die Gesellschaften der Krieg führenden Länder in vorher unbekanntem Ausmaß in den Dienst des Krieges gestellt wurden und die Zivilbevölkerungen erstmals unter einer industrialisierten Kriegsführung litten. Trotz all der Grauen, die mit dem Ersten Weltkrieg verbunden waren, begann nur 20 Jahre später mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg.

Müssen wir uns – angesichts der aktuellen Kriege in Syrien, im Jemen und in vielen anderen Weltregionen – damit abfinden, dass die Lehren aus der Geschichte auf wenig Lernbereitschaft treffen? Und fügen die Duisburger Akzente dem pazifistischen Motto „Nie wieder Krieg“ notwendigerweise das Fragezeichen hinzu, weil auch unser Kontinent – trotz des zivilisatorischen Friedensprojektes des vereinten Europas – in den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien und im aktuellen Konflikt in der Ostukraine noch immer schmerzliche Erfahrungen mit Krieg und Gewalt machen muss?

„Wir, die Völker der Vereinten Nationen, fest entschlossen, künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren…“: Wird die Realität diesen erfahrungsklugen Präambelworten aus der Charta der Vereinten Nationen immer wieder Hohn sprechen, gerade auch angesichts anonymer und asymmetrischer Konfliktszenarien?

Diese auf den Nägeln brennenden Fragen werden auf den Bühnen und in den Veranstaltungsräumen der 39. Duisburger Akzente vielfältig, klug und anregend thematisiert: von Aischylos‘ „Die Perser“, der fast 2.500 Jahre alten Tragödie um Krieg und Frieden, bis zu Tanzprojekten mit jungen Menschen, die vor Krieg und Krisen geflohen sind. Ich danke den Festivalmachern für das gewohnt facettenreiche Programm und wünsche den Besucherinnen und Besuchern spannende Erfahrungen und Erkenntnisse bei der künstlerischen Auseinandersetzung mit einer großen Menschheitsfrage.

 

Unterschrift Armin Laschet

Armin Laschet
Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen